Bettwanzen selbst bekämpfen ? Drei Fragen. Drei Antworten.
Der Wunsch, vorhandene Bettwanzen selbst zu bekämpfen, ist nachvollziehbar. Denn unabhängig von der Frage der Kosten, drängt sich auch die Frage auf, wie auffällig oder unauffällig ein Kammerjäger bei seiner Arbeit vorgeht. Doch wie hoch stehen die Erfolgsaussichten, wenn man Bettwanzen selbst bekämpft?In diesem Zusammenhang hier die drei häufigsten Fragen:
Wie geht ein Kammerjäger vor, um Bettwanzen auszurotten ?
Professionelle Schädlingsbekämpfer bekämpfen Bettwanzen fast ausschließlich mit Insektiziden, also Giften, oder mit Wärme.Wie kann ich Bettwanzen selbst bekämpfen?
Nicht nur Schädlingsbekämpfer, sondern auch viele offizielle Stellen wie das Umweltbundesamt vertreten die Meinung, dass eine Eigenbehandlung kaum Aussicht auf Erfolg hat.Auf der anderen Seite bewerben Verkäufer im Internet zahlreiche Mittel, mit denen Bettwanzen durch jedermann angeblich problemlos beseitigt werden können. Beispiel Duftsäckchen oder Klebefallen: Hier muss man wissen, dass Duftstoffe selbst im besten Falle Bettwanzen höchstens von einem Zimmer ins andere vertreiben und Klebefallen gar nicht zur großflächigen Befallstilgung, sondern nur zur Feststellung eines Befalls ausgelegt sind. In der Werbung ist das manchmal nicht so deutlich gezeigt.
Wir als Bettwanzenprofis finden es wichtig, dass Sie als Betroffener sich ein Bild von den Erfolgsaussichten einer „Do-It-Yourself“-Bekämpfung machen können:
Bei der Behandlung mit Insektengiften ist wichtig zu wissen, dass es sich größtenteils um Nervengifte handelt, die häufig nur deswegen für den Menschen nicht gefährlich sind, weil sie niedrig dosiert sind.
Die richtige Dosierung, so dass die Gefahr für Kinder, ältere Menschen und sonstige Hausbewohner, und auch für Haustiere, so gering wie möglich ist, hat der Kammerjäger in seiner Ausbildung gelernt. Auch an welchen Stellen die Insektizide überhaupt ausgebracht werden sollten, kann der Laie nicht ohne weiteres wissen. Der Profi kennt die Laufwege von Bettwanzen aufgrund seiner Erfahrung und führt entsprechend die Flächenbehandlungen zielgerichtet, das heißt niedrigdosiert, durch.
Während der Laie sich in der Regel nur ein einziges Mittelchen im Internet bestellt und hofft, dass es wirkt, hat der Profi meistens mehrere Mittel im Gepäck, z.B. Langzeitinsektizide oder giftfreies Pulver, das dann aber nur an trockenen und windfreien Stellen ausgebracht werden darf, weil es auf die Lunge schlagen könnte. Auch sollte man wissen, dass nicht alle Gifte gegen alle Bettwanzenstämme gleichgut funktionieren - aufgrund von Resistenzen.
Viele der wirksamen Gifte sind im Übrigen nur mit Sachkundenachweis erhältlich, weil der Gesetzgeber die Gefahr durch falsch angewendete und falsch dosierte Giftstoffe erkannt hat. Das heißt, der Kammerjäger hat Zugriff auf Gifte, die der Laie gar nicht kaufen kann.
Auch zum Thema Wärmebehandlung lässt sich etwas sagen:
Es gibt Heizöfen, mit denen sich Räume über die letale Temperatur aufheizen lassen, für Privatleute zu mieten. Das sind tatsächlich teilweise Profigeräte. Aber auch hier entscheidet das „Wie“: Der betroffene Raum ist nicht nach Anschalten des Heizlüfters sofort 50 Grad heiß und alle Bettwanzen sterben plötzlich ab. Im Gegenteil: Der Raum wärmt sich langsam auf und die Bettwanzen werden erstmal aktiver und schneller, verkriechen sich, suchen neue Verstecke. Sie krabbeln auf der Suche nach Rettung überall hin, auch in Ecken, in denen sie sich sonst nie verstecken würden. Die Gefahr ist, dass die Schädlinge in andere Räume übersiedeln und sich damit das Problem vergrößert. Räume müssen also abgedichtet werden. Hier ist Erfahrung Gold wert, denn Ritzen und Löcher lassen sich überall finden, hinter Lichtschaltern, hinter Fußleisten, im Boden, an der Decke, an Lampenbefestigungen, in Dübellöchern und an Rolladenkästen.
Wichtig ist auch: Die letale Temperatur muss überall erreicht werden. Vor allem die Eier von Bettwanzen werden besonders gut geschützt abgelegt, z.B. hinter Tapeten, zwischen Möbelbrettern oder sogar unter Möbelfüße. In der Praxis heißt das häufig, dass Möbel zerlegt werden müssen.
Bettwanzen, die vor der Hitze fliehen können, kommen mit Gewissheit wieder. Die Präparation eines Raums kann in ungünstigen Fällen Stunden dauern. Auhc gilt ein Augenmerk darauf zu legen, dass wärmeempfindliche Gegenstände nicht durch die Hitze Schaden nehmen. Viele Einrichtungsgegenstände müssen sowieso gesondert behandelt werden. Es kann schnell passieren, dass sich durch Wärme Furniere ablösen usw.
Des weiteren ist die Handhabung eines solchen Heizers, wenn es sich denn um ein Profigerät handelt, nicht ganz einfach. In der Regel wird er mit 400 Volt Drehstrom betrieben, den ein Elektriker anschließen muss, wodurch wieder Kosten entstehen.
Ein ungünstiges Vorgehen ist, es erstmal selbst zu probieren, und erst wenn das nicht hilft, noch einen Kammerjäger hinzuzuziehen. Hier muss man sich im Klaren darüber sein, dass sich Bettwanzen durch die Selbstversuche in weiter entfernte Verstecke ausbreiten und auch ohne eigenes Zutun, allein durch die verlorene Zeit, die Schädlingspopulation wächst. Für den später anrückenden Profi bedeutet jede weitere Ausbreitung mehr Aufwand, also auch höhere Kosten.
Wir müssen also dringend vom Versuch abraten, Bettwanzen selbst zu bekämpfen. Häufige Risiken sind Vergiftungen durch falsche Dosierung, Schäden an der Einrichtung, Abwanderungen der Bettwanzen auf weitere Zimmer und ggf. auf Nachbarwohnungen.
Bekommen die Nachbarn etwas mit, wenn ich einen Schädlingsbekämpfer rufe?
Viele kennen den Beruf des Kammerjäger hauptsächlich aus US-amerikanischen Filmen, bei denen der Firmentransporter des Kammerjägers mit einer überdimensionalen Schaben auf dem Autodach versehen ist und der Kammerjäger schließlich das komplette Haus in Folie einpackt.In den USA ist aber die offene Einstellung zur Dienstleistung „Schädlingsbekämpfung“ schon aufgrund von Termiten und anderen „salonfähigen“ Schädlingen eine ganz andere. Schädlingsbekämpfer in Deutschland gehen natürlich sehr viel unauffälliger vor.
Es gibt zwar durchaus Firmen, deren Autos mit einem Firmenschriftzug versehen sind und deren Angestellte Firmenkleidung tragen. Wir als Bettwanzenprofis und viele weitere Firmen verzichten aus Diskretionsgründen komplett auf jegliche Firmenschriftzüge. Die Schädlingsbekämpfer werden dann für gewöhnliche Handwerker gehalten.
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